Alltag in Novaesium
Das Kastell und die Zivilsiedlung zwischen Erftmündung und Meertal im Zeitalter des Limes und der Pax Romana (100 - 350 n. Chr.)
Ein Beitrag zum 1. Kapitel der Stadtgeschichte von Hans - Joachim Graul

- GRENZEN UND MÖGLICHKEITEN DER PRÄSENTATION VON STADT- UND KULTURGESCHICHTE IM MUSEUM
- DAS DIORAMA
- VON DER LEGIONSFESTUNG ZUM AUXILIAR - KASTELL
- DAS KASTELL
- DIE VILLA RUSTICA
- DIE KASTELL - SIEDLUNG
- DOCH ZURÜCK ZU DEN LEBENDEN!
- DOCH WAS IST AUS DEM FRIEDLICHEN ZUSAMMENLEBEN GEWORDEN UND WAS IST VON NOVAESIUM GEBLIEBEN?
- Literatur- und Bildnachweis
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Hans Joachim Graul für die Veröffentlichung im Neusser Marktplatz.
GRENZEN DER PRÄSENTATION VON STADT- UND KULTURGESCHICHTE IM MUSEUM
Im Verlaufe von mehr als zweitausend Jahren haben sich Name und Schreibweise des heutigen Stadtgebiets von Neuss mehrfach geändert. Die älteste Bezeichnung wird durch den römischen Geschichtsschreiber Tacitus überliefert, sie lautet: Novaesium. Er wendet diesen Namen jedoch wiederholt nicht etwa für eine stadtähnliche Siedlung an sondern hauptsächlich für einen Garnisonstandort, als Marsch-, Winterlager oder als Legionsfestung. Mehr als drei Generationen lang dienen die „Römerlager” bzw. die Festung, die nach und nach zwischen Erftmündung und Meertal entstanden sind, als Operationsbasen für die im hiesigen Militärbezirk stationierte Armee. Sie hat den Auftrag, Germanien zu befrieden, und das heißt: das Land bis zur Weser/ Elbe zu erobern. Dieses Ziel wird nach einem länger als „dreißig” Jahre dauernden Eroberungskrieg aufgegeben. In die Enge von Lager und Festung eingezwängt, von harten Disziplinarmaßnahmen gepeinigt, meutert an einigen Standorten, so auch in Novaesium, die Truppe. Und schließlich haben auch die Wirren und Gewalttaten während des Bataveraufstands verheerende Folgen sowohl für den nichtseßhaften Troß der Legion, der entlang der Heerstraße in den „canabae” (Lagerdorf) lebt, als auch für die einheimische seßhafte Bevölkerung, die zahlenmäßig gering ist und verstreut in der näheren Umgebung der Garnison siedelt.
An die Entwicklung eines auf dauerhaften Bestand gegründeten Gemeinwesens, das zugleich Anziehungs- und Ausgangspunkt einer stadtähnlichen Besiedlung werden könnte,
ist jedenfalls unter den politisch- militärischen Gegebenheiten des ersten Jahrhunderts nicht
zu denken.
Erst nach Gründung der Provinz Niedergermanien (um 80 n. Chr.), die eine zivile römische
Verwaltung erhält, beginnt hierzulande eine etwa zweihundert Jahre andauernde Friedens-
und Blütezeit, von der auch Novaesium profitiert. Diese Epoche ist als „Pax Romana” in die
Geschichte eingegangen und bedeutet in erster Linie die Gewährleistung eines bewaffneten
Friedens an den Außengrenzen des römischen Reiches.
Hier am Rhein wird die Reichsgrenze durch den Ausbau des niedergermanischen
Limes gesichert, der dem Verlauf des Flussufers folgt. Das Prinzip des „Römischen Friedens”
bedeutet außerdem innenpolitisch: ein gewaltfreies Zusammenleben, Ordnung von Maßen und
Gewichten, gemeinsame Sprache, einheitliche Währung und RechtsSicherheit. Die Wirtschaft
kann sich kontinuierlich entwickeln und es soll für alle ein Höchstmaß an Toleranz und
persönlicher Freiheit angestrebt werden.

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