Alltag in Novaesium
DIE KASTELL - SIEDLUNG
Der Ackerbau, der Gartenbau und die Viehwirtschaft dienen der Versorgung der Bevölkerung und der Soldaten mit Nahrungsmitteln, z. B. mit Getreide, Gemüse, Obst, Milch, Milchprodukten, Eiern, Fleisch, Fett und a. m. Es werden aber auch Rohstoffe für Bekleidung, Schuhwerk sowie für den allgemeinen Haushalt, z. B. Flachs, Wolle, Tierfelle, Leder und Häute erzeugt, die von geübten Händen dann weiter verarbeitet werden. Für alle Verbraucher im hiesigen Siedlungsgebiet stellen sich deshalb die vordringlichen Fragen: Wie und mit welchen Mitteln werden die Ernteerzeugnisse und Rohstoffe von der Produktionstelle zur Weiterverarbeitung weitertransportiert? Wie gelangen sie auf den „Markt“ und wie werden sie aufbewahrt? Der Landwirtschaft stehen leistungsfähige Ochsengespanne zur Verfügung. Soweit die Armee ihren regelmäßigen Bedarf an Reittieren nicht aus eigenen
Gestüten decken kann, greift sie auf zivile Pferdezucht - Anstalten zurück. Darüberhinaus gehören auch wohlhabende Angehörige des Transportgewerbes, z. B. Spediteure und Taxi- Unternehmer zur Kundschaft der Pferde und Maultierzüchter. Die Zucht und die Ausbildung von Huftieren erfordert besondere Umgebungsbedingungen und Kenntnisse. Deshalb haben sich vielfach die „Reiterhöfe“ von den Gutshöfen abgesondert. Auch hier befinden sich Pferdekoppel und Wagenpark eines Züchters und Fuhrunternehmers mit Wohnhaus und Stallgebäude auf einem von der Villa Rustica abgetrennten Grundstück an der Kastellstraße. Die „Vorführung“ der Pferde und der Pferdehandel haben sowohl Kaufinteressenten als auch neugierige Zuschauer angelockt. (Bild 15 )

Von alters her haben findige Handwerker - Veteranen und Einheimische gelernt, aus dem in der Umgebung vorkommenden grau- weißen Rohmaterial in mehreren Arbeitsgängen eine verformbare Masse herzustellen, die in Brennöfen, welche in die Erde versenkt sind, zu festen Behältern gebrannt werden kann. Eine derartige Töpferei ist auch aus dem Umkreis von Kastell und Villa Rustica nicht wegzudenken. Mittelpunkt einer Töpferei, die hier stellvertretend für zahlreiche gleichartige, ehemals in Novaesium betriebene Werkstätten steht, sind die Brennöfen. Alle übrigen Arbeitsgänge: das Einsumpfen und Kneten des Rohmaterials (Ton), das Formen und Trocknen der Rohlinge auf und neben den Töpferscheiben, das Anheizen und Beschicken der Brennöfen, die Ausstellung der fertigen Ware finden ringsherum statt. Kritisch werden die ausgestellten Töpfereien, als da sind: Teller, Schüsseln, Töpfe, Becher, Krüge, ja sogar Großbehälter, von den angereisten Kunden geprüft,
bevor sie sich zum Kauf entschließen. Wesentliche Bestandteile für die menschliche Ernährung sind: das Getreide und die daraus hergestellten Erzeugnisse: Mehl und Brot. Aus Platzgründen hat im Diorama nur eine Bäckerei aufgestellt werden können. Diese ist als Großbetrieb für Mehl erzeugung und -verarbeitung eingerichtet. Der Bedarf an Backwaren muß wohl aber in Novaesium von mehreren Großbäckereien gedeckt worden sein. Ebensogut wäre es denkbar, daß die Militärverwaltung in späterer Zeit sogar eine (oder mehrere) im Dauerbetrieb rationell arbeitende Großbäckerei( en) mit der Brotversorgung der Kastellbesatzung beauftragt haben könnte, um die Soldaten vom zeitraubenden und mühsamen Zubereiten und Backen des Kommißbrotes zu entlasten. Auf jeden Fall ist die Nachfrage nach frischen Backwaren in der Zivilsiedlung sehr groß. Dies geht zweifelsfrei auch aus der Ansammlung von Kunden am Verkaufstisch vor der Bäckerei hervor, die hier eine „Käuferschlange“ bilden und darauf warten, daß der Verkauf beginnt. (Bild 17)


Andere Bewohner von Novaesium: Männer, Frauen und Kinder, Zivilisten und beurlaubte Soldaten, haben sich im Laufe des Tages auf dem kleinen Marktplatz, eingefunden, der sich vor dem ziegelgedeckten Tor des Kastells befindet, um hier einzukaufen oder zu bummeln. Das bunte Leben und Treiben auf diesem Forum hat auch zahlreiche Besucher aus der Umgebung und ehemalige Soldaten (Veteranen) angelockt, die in das aufstrebende
Siedlungszentrum gekommen sind, um Geschäfte abzuwickeln, z. B. Pachtzahlungen zu erledigen, oder sich in einer der zahlreichen Gaststätten zu erfrischen und auszuruhen. Die Veteranen treffen sich in den einschlägigen Kneipen besonders gern, um unter „alten Kameraden“ von den

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