Alltag in Novaesium

Sie flehen um Segen und Schutz von Haus und Hof, von Familie und Sippe. (Bild 26 - rechts) Es haben sich aber auch bereits einige Kultgemeinschaften gebildet, lat. curiae genannt. Sie dienen ihren Gottheiten nach besonderen Ritualen. Dies gilt z. B. für Glaubensgemeinschaften, die ihren Ursprung im Orient haben wie der Kybelekult. Dafür könnte neben oder über dem Taufkeller ein oberirdischer, basilika- ähnlicher Versammlungsraum für die Gemeinschaft erbaut worden sein. (Bild 26 - linke Seite) Vor dem Tempelbezirk haben einige Devotionalienhändler ihre Verkaufstische aufgeschlagen. Dort haben die Tempelbesucher die Möglichkeit, Weihegaben oder Erinnerungsstücke, z. B. Statuetten aus Bronze oder Ton, die weitverbreiteter Ausdruck der Volksfrömmigkeit sind, zu erwerben und vor oder an ihrem persönlichen Hausaltar aufzustellen.
(Bild 26 - im Vordergrund) Die Verstorbenen werden unabhängig davon, ob es sich um Erd- oder um Feuerbestattung handelt - nicht auf besonderen Begräbnisplätzen (Friedhöfen) sondern beiderseits der Straßen am Rande oder außerhalb der Siedlung beigesetzt. Und später wird dort je nach Vermächtnis oder Vermögen von den Erben oder von anderen Verwandten ein künstlerisch gestalteter Grabstein errichtet. Auf diese Weise soll die Erinnerung an den oder die Verstorbenen auch nach Jahrzehnten noch wachgehalten werden, wenn eigene oder fremde Nachfahren dereinst an diesen Gräberstraßen entlang gehen. Ein Trauerzug, angeführt von zwei Flötenspielern und einer „Klagefrau“, denen die Leichenträger und eine Gruppe von trauernden Hinterbliebenen folgen, befindet sich auf dem Wege zur neuen Grabstätte. (Bild 28)


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