Alltag in Novaesium
DOCH ZURÜCK ZU DEN LEBENDEN!
Am Rande von Novaesium, jenseits der „Limes- Straße“, die als Hauptstraßenverbindung von der Koloniestadt Colonia Claudia Ara Agrippinensis (CCAA), heute: Köln, am Ufer des Rheinstromes entlang zur Colonia Ulpia Trajana (CUT), heute: Xanten, führt, wohnt ein großer Teil der ubischen Bevölkerungsgruppe. Die Ubier sind vor langer Zeit aus einem flußaufwärts auf der anderen Rheinseite gelegenen Landesteil vertrieben und linksrheinisch bis in die Gegend nördlich von Köln angesiedelt worden. Sie leben hier in einem der landesüblichen strohgedeckten Holzhäuser, die aus Holzpfosten und Bohlen gezimmert werden. Die Männer üben ein
Handwerk aus, z. B. als Gürtler oder Schuhmacher; ihre Frauen - in der typischen Tracht der Ubierinnen, zu der insbesondere weiße, runde Kopfhauben gehören - stellen mit Hilfe hoher Webstühle Webwaren aller Art, z. B. Stoffe und Bänder, für den eigenen Bedarf wie auch für den Weiterverkauf her. (Bild 29) Die Mütter sind oft mit mehreren Kindern gesegnet. Sie leben mit den Soldatenvätern in einer eheähnlichen Gemeinschaft, auch wenn die Ehepartner einander erst nach der Entlassung aus dem aktiven Militärdienst heiraten dürfen. Davon unbeeindruckt beschäftigen sich die Kinder mit den beliebten Spielarten im Freien.


Es macht ihnen auch wenig aus, wenn sie sich hin und wieder für einige Zeit von ihrem „Soldatenvater“, der auf Streife reiten muß, zu verabschieden haben. (Bild 29) Als Kastellstandort ist Novaesium auch zum Standort einer staatseigenen Raststätte und Übernachtungsstation bestimmt worden. Eine derartige Mansio ist das Glied in einer Kette von gleichartigen Unterkünften, die vorwiegend von Staatsbediensteten oder von Personen, die im staatlichen Auftrag reisen, in Anspruch genommen werden. Das an der Hauptstraße gelegene „Rasthaus“ besteht aus einer hofartig angelegten Gebäudegruppe und ist von einer Mauer mit Toreinfahrt umschlossen. Hier bietet sich nicht nur die Möglichkeit, die Pferde auszuspannen und zu füttern, sondern ggf. auch die Zugtiere zu wechseln oder den Reisewagen zu reparieren.
Die Reisenden haben überdies hier die Gelegenheit, sich im hauseigenen Bad zu erfrischen und zu übernachten. (Bild 30) Dem außergewöhnlichen Reinlichkeitsbedürfnis dient das große Römerbad. Ehemals nur für die Legionäre in der Festung gelegen, befindet es sich jetzt als gemeinschaftlich betriebene aber getrennt benutzte Badeanlage für Soldaten und Zivilisten außerhalb der Kastellmauern dicht am Rheinufer. (Bild 31) Im Anschluß an die Umklei de- und Toilettenräume sind die Badebecken in der erprobten Raumfolge von „lauwarm“ über „warm“ und „heiß“ nach „kalt“ einander zugeordnet. Das große „Heißbadebecken mit den Schwitzräumen” wird von einem vor unerwünschter Abkühlung schützenden Tonnengewölbe überspannt, welches auch die besondere Zweckbestimmung dieses Gebäudes kennzeichnet.

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