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Alltag in Novaesium

 

DOCH WAS IST AUS DEM FRIEDLICHEN ZUSAMMENLEBEN GEWORDEN UND WAS IST VON NOVAESIUM GEBLIEBEN?

 

Als das Auxiliarkastell und die Zivilsiedlung, die sich im Endstadium auf eine Fläche von etwa 75 ha ausgedehnt hatten, - im wörtlichen Sinne wie auch in der Wirklichkeit - gemeinsam untergehen, fliehen die mit dem Leben davon gekommenen Bewohner und suchen Zuflucht in benachbarten Ansiedlungen, die der Zerstörung verschont bleiben. Novaesium jedoch wird eine Wüstung!

 

Bauliche Überreste und kulturelle Zeugnisse werden vom Brandschutt überdeckt, unter Trümmern begraben. Auf der Erdoberfläche wird später das etwa noch geeignete Baumaterial an anderer Stelle wieder verwendet. Auf diese Weise werden alle sichtbaren Spuren getilgt.

 

Das zeitweilige Trümmerfeld wird Brachland, Ackerfläche und Bauland über Jahrhunderte hinweg, bis es in der Neuzeit schließlich vollständig überbaut wird.

 

Demzufolge kann der historische Zustand von Novaesium - ganz oder in Teilbereichen - weder andeutungsweise noch als Anschauungsbeispiel dem interessierten Betrachter auch nicht mehr an Ort und Stelle vor Augen geführt werden.

Hilfsweise soll jedoch nun wenigstens das der Wirklichkeit nachempfundene Modell - Diorama in einem verkleinerten Maßstab die notwendige Anschaulichkeit einer kulturellen Vergangenheit vermitteln, von der jegliches Geschichtsbewußtsein lebt.

 

Von dem unglücklichen Schicksal der vollständigen Zerstörung und des „Untergangs“ dieses Teiles der Besiedelung von Novaesium ist dagegen die andere, in etwa 1,6 km Entfernung in nordwestlicher Richtung auf einer kleinen Anhöhe an einem Rheinarm gelegene zivile, d. h. militärisch unbedeutende Handwerker-, Fischer-, Schiffer- und Kaufleute - Siedlung, die in Merowingischer Zeit mit der Bezeichnung „Nivisium“ erwähnt wird, offenkundig weitgehend verschont geblieben.

 

Und diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, daß aus jener zweiten „Keimzelle” die heutige Stadt Neuss entstehen konnte.

 

Doch das ist ein anderes Kapitel der Stadtgeschichte.

 

Neuss, im Oktober 1999 Der Verfasser

LITERATURNACHWEIS

  1. Baatz, D. „Der Römische Limes zwischen Rhein und Donau“ Gebr. Mann Verlag, Berlin 1993
  2. Bechert, T./ Williams, W. „Die Römische Reichsgrenze” - (zwischen Mosel und Nordseeküste), K. Theiss - Verlag, Stuttgart 1995
  3. Horn, H. G. „Die Römer in Nordrhein- Westfalen”, K. Theiss- Verlag, Stuttgart 1987
  4. Johnson, A. „Römische Kastellen” (des 1. u. 2. Jahrh. n. Chr. in Britannien und den Germ. Prov. des Römerreiches) Verlag Philipp v. Zabern, Mainz 1990
  5. Junkelmann, M. „Die Legionen des Augustus“, Verlag Philipp v. Zabern, Mainz 1986
  6. Junkelmann, M. „Die Reiter Roms” (Bd. I bis III) Verlag Philipp v. Zabern, Mainz 1990, 1991 u. 1992
  7. Junkelmann, M. „Panis militaris“ (Die Ernährung des röm. Soldaten, oder: der Grundstoff der Macht) Verlag Philipp v. Zabern, Mainz 1997
  8. Kühlborn, J. S. „Germaniam pacavi”, Landschafts- Verband Westfalen- Lippe 1995
  9. Pörtner, R. „Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit“ (Moewig- Sachbuch) Econ- Verlag Düsseldorf/ Wien 1959
  10. Sölter, W. (Herausgeber) „Das römische Germanien aus der Luft“ Gustav Lübbe Verlag, Bergisch- Gladbach 1981
  11. Schmid, A. u. R. „Die Römer an Rhein und Main“ (Reihe: Bastei- Lübbe- Geschichte), Societätsverlag Frankfurt / M. 1972
  12. Ternes, Charles- Marie „Römisches Deutschland - Aspekte seiner Geschichte und Kultur, Reclam Verlag Stuttgart 1986
  13. Landsch. Verb. Westfalen- Lippe (Herausgeber:) „2000 Jahre Römer in Westfalen”, Verlag Philipp v. Zabern, Mainz 1989(?)
  14. Stadt Neuss (Herausgeber): „Das römische Neuss” K. Theiss Verlag Stuttgart 1984
  15. Stadt Neuss (Herausgeber): „Neuss im Wandel der Zeiten“ Gesellschaft f. Buchdruckerei Neuss 1969
  16. Stadt Neuss (Herausgebe): „Römer in Neuss - 2000 Jahre Römer am Rhein”, Materialsammlung zur Geschichte von Novaesium von Dr. H. Gilliam m. Beiträgen von P. Stenmans und Dr .M. Tauch - Neuss 1983
  17. Conolly, P. „Ein römischer Reiter“ Tessloff- Verlag, Nürnberg 1990
  18. Conolly, P. „The Roman Fort” Oxford University Press 1991
  19. Giesler, F. „Römer in Zinn” Rheinland- Verlag GmbH. Köln 1992 (dort auch: Herausgeber- und Typenverzeichnis und Hinweise auf weitere Zinnfiguren- Sachbücher)

Bildnachweis

  1. Bild 1: Fundstellen im „Römischen Neuss” – aus dem Faltblatt des Verkehrsvereins Neuss eV., 1996;
  2. Bild: 27; 33; 34: Hanna Quentin, Neuss; Alle sonstigen Bilder: Aufnahmen des Verfassers;
  3. Titelbild: Ausschnitt: Forum und Kastell aus dem Modell- Diorama
  4. Rückseite: Legionär bei der „Putz- und Flickstunde”