Alltag in Novaesium
DAS DIORAMA
Da aus jener historischen Zeit auf der Erdoberfläche hier kein einziger Anhaltspunkt mehr dafür besteht, wie und in welcher Weise das Siedlungsgebiet damals bebaut war, beruht das Diorama auf wesentlichen, durch Grabungen festgestellten und gesicherten Fundstücken und ihren Standorten, z. B.: Kastell und Römerbad, Tempelbezirk und Gräberstraßen, sowie auf der Zusammenstellung vergleichbarer Hochbauten, die an anderen Standorten der Römerzeit in Deutschland und in Westeuropa bestanden haben. Demzufolge handelt es sich bei dem Modelldiorama weder um ein Architekturmodell noch um den Nachbau eines stadtähnlichen Gebildes, das in einer traditionellen Beziehung stehen soll zu der etwa eintausend Jahre später in einer Entfernung von zwei- bis dreitausend Metern erbauten und befestigten Stadt Neuss.
Das Diorama ist vielmehr als Spiegelbild einer Ansiedlung des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. in jener römischen Provinz und zwar nach den Gegebenheiten der örtlichen Topographie: Mündung der Erft in den Rhein – Uferlandschaft, gestaltet. Die Aufbauten: Wohngebäude, Tempel, Mauern, Tore, Kasernenbauten, Werkstätten, Wirtschaftsgebäude, Ställe u. a. m sind entsprechend ihrer Bedeutung und Funktion für das „Kleinzentrum”
so ausgewählt und zueinander geordnet, daß die beabsichtigte Szenenfolge überschaubar bleibt, daß sich aber jeweils ein aussagefähiger und anschaulicher Hintergrund für die unterschiedlichen Momentaufnahmen ergibt.
Für die siedlungspolitische Entwicklung von Novaesium während der Pax Romana muß allerdings eine wesentliche Veränderung berücksichtigt werden: Es dominieren nicht mehr wie zur Zeit der Lager und Festungen die Legionssoldaten in der Gesamtbevölkerung, sondern es überwiegt nun der nichtmilitärische Bevölkerungsanteil. Denn bald übertrifft die Einwohnerschaft der Kastell- Siedlung mit schätzungsweise 2500 Personen bei weitem die Mannschaft der Ala – oder einer gemischten Kohorte, die mit 500 Soldaten anzusetzen ist. Außerdem ist zu bedenken, daß die Zivilbevölkerung jährlich um die Zahl der aus dem Militärdienst entlassenen Veteranen ansteigt, die hier ansässig werden, heiraten und dann einen zivilen Beruf ausüben.
Als Hintergrund für die Szenenfolgen sind einzelne Baugruppen gebildet und unter Berücksichtigung der bestehenden topographischen Bedingungen auf drei Seiten um das Kastell aufgebaut. Die vierte Seite bildet das Rheinufer.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Im Lageplan (Bild 2) sind die Baugruppen
mit folgenden Abkürzungen gekennzeichnet:
- das Kastell - als Siedlungsmittelpunkt - (K)
- ein typischer Gutshof - lat. Villa Rustica - (VR)
- der Marktplatz - Forum mit umgebenden Häusern (F)
- vier Handwerksbetriebe: Töpferei, Bäckerei, Holz- und Steinsägewerk (T, B, SW und STW)
- der Tempelbezirk und die Gräberstrasse (TB, GS)
- das Römerbad, Therme und Rasthaus (RB, M)
- ein Wohnhaus der einheimischen Bevölkerung (W)
- der Handelsplatz und die Schiffsanlegestelle (H)
- die Römerbrücke über die Erft (R)


Seite drucken