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Alltag in Novaesium

 

VON DER LEGIONSFESTUNG ZUM AUXILIAR- KASTELL

Der Name, die Waffengattung und die Herkunft dieser Einheit sind nicht überliefert; sie hat sich bisher auch nicht durch archäologische Belege eindeutig verewigt. Als Glied einer Kette von gleichartigen Kastellbauten in der unmittelbaren Nachbarschaft, z. B. in Durnomagus (Dormagen), Gelduba (Gellep) und Asciburgium (Asberg), hat diese unbekannte Hilfstruppe die Aufgabe, im Bereich des Kastells Novaesium die künftige Reichsgrenze am Niederrhein den Zielsetzungen der römischen Friedenspolitik entsprechend (Pax Romana) langfristig zu sichern und zu verteidigen.

 

Zur Versorgung der Armee und zu ihrer Rekrutierung bedarf es einer dauerhaften wirtschaftlichen und logistischen Grundlage bei gleichzeitiger Entwicklung des Gemeinwesens und der Zivilverwaltung. Die Voraussetzungen dafür sind hier im Siedlungsgebiet von Novaesium außerordentlich günstig. Denn nach dem Abbruch der Legionsfestung stehen umfangreiche und bereits erschlossene Bauflächen für die Ansiedlung von Zuwanderern, für Handwerk und Gewerbe in großem Umfang zur Verfügung. Die Versorgung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist durch die im Umland vorhandenen und neu einzurichtende Gutshöfe (Villae Rusticae) sowie durch eine Vielzahl einheimischer Bauernhöfe bestens gewährleistet.

 

Deshalb entsteht hier bald - wie in anderen Siedlungsgebieten am Limes - in der engen Nachbarschaft zum Kastell NOVAESIUM eine unbefestigte gleichnamige Zivilsiedlung von dorfähnlichem Charakter (Vicus).

 

Doch dabei bleibt es nicht!

 

Im Verlaufe von mehreren Jahrzehnten und mit dem Ableben mehrerer Generationen sowie als Folge der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung wächst dieses Novaesium - vom römischen Einfluß gesteuert - unter dem sicheren Schutz der Pax Romana, bevölkert von Soldaten, Veteranen, Handwerkern, Kaufleuten, Künstlern und ihren Familien zu einer ausgedehnten Ansiedlung heran, die nach heutigem Vokabular die Einstufung als Kleinzentrum verdient.

 

Das während der „Blütezeit“ nach und nach bebaute Siedlungsgebiet zwischen Erftmündung und Meertal wächst, wie durch die zahlreichen Fundstellen belegt wird, schließlich auf eine Fläche von mehr als 75 ha an. Es ist damit dreimal so groß wie der Parcours auf der heutigen Rennbahn von Neuss am Obertor.