Rundgang durch 2000 Jahre Neuss
Wachsen der Stadt, aber auch deren Bedeutung. Sichtbarstes Zeichen wehrhaften Bürgerstolzes ist das bis heute erhaltene wuchtige Obertor, während sich die Treue zum angestammten Glauben und die Verehrung des Stifts? und Stadtpatrons Quirinus im 1209 begonnenen Münster ein Denkmal setzte. Nach alter Überlieferung soll im Jahre 1050 die Neusser Äbtissin Gepa die Reliquien des Heiligen in Rom von ihrem Bruder Papst Leo erhalten und nach Neuss gebracht haben.
Quirinus in Neuss bereits vor der Übertragung seiner Gebeine verehrt wird in der Märtyrergeschichte als "Tribun" bezeichnet, als aus dem Ritterstand kommender Stabsoffizier. Zur Bewachung von Papst Alexander (105?115) und des mit seiner Familie zum Christentum bekehrten römischen Stadtpräfekten Hermes abkommandiert, beeindruckten ihn Glaube und Standfestigkeit seiner prominenten Gefangenen. Quirinus entsagte der heidnischen Götterwelt und folgte mit seiner Tochter Balbina dem Christentum es kostete ihn den Märtyrertod. In einer der vielen römischen Katakomben wurden seine Gebeine bestattet.
Das Neusser Quirinusmünster ist der letzte große spätromanische Bau am Rhein mit deutlich erkennbaren Zeichen des neuen gotischen Stils. Der hohe Münsterturm und die aus der Barockzeit stammende Kuppel mit dem Standbild des Quirinus prägen auch heute noch die Silhouette der Stadt. Gefährdet war das Bauwerk zu vielen Zeiten, besonders, wenn Krieg die Lande am Rhein bedrohte.
Die Belagerung durch Herzog Karl den Kühnen von Burgund war ein solches Ereignis. Von Juli 1474 bis Juni 1475 berannten die Truppen des damals mächtigsten Fürsten Europas Neuss ? vergebens. Die Mauern hielten stand. Ursache für die Belagerung waren Bestrebungen der Herzöge von Burgund, auf Kosten des Deutschen Reiches und Frankreichs zwischen Nordsee und Alpen ein Groß?Burgundisches Reich zu errichten. Zwölf Monate lang widerstand Neuss dem Ansturm der zu dieser Zeit mordernsten Armee Europas und erhielt dafür von Kaiser Friedrich 111. begehrte Privilegien wie das Münzrecht. Die Stadt führt seither den Reichsadler in ihrem Wappen.
110 Jahre später fiel die stolze Stadt durch List kampflos den Truppen des abtrünnigen Kölner Erzbischofs Gebhard von Truchseß in die Hände. Bei der Wiedereroberung 1586 durch den Fürsten Alexander Farnese, Herzog von Parma, kam es zu einer Feuersbrunst. Mehr als zwei Drittel von Neuss wurden vernichtet, darunter fast alle bedeutenden Gebäude mit ihrem Inventar. Das Münster erlitt schwerste Schäden. Das Schicksal der Stadt wurde allgemein bedauert, jedoch mischte sich in das Mitgefühl auch leiser Spott. Zu sehr hatten sich die Neusser nach dem Erfolg ein Jahrhundert zuvor in Sicherheit geglaubt. Bedauerlich war der Verlust der einst mächtigen Vorrangstellung infolge dieses Religionszwistes, auch das Münzrecht entfiel. Auf Jahrzehnte blieb der Weg in die Zukunft ungewiss.
Nur langsam erholte sich die Stadt. Der Wiederaufbau schleppte sich hin. Betroffen von den Schäden des Kölner Krieges waren vor allem die Befestigungsanlagen. Ein Umstand, der sich im 30jährigen Krieg bemerkbar machte. Kampflos musste sich Neuss 1643 auf eine Besetzung durch hessische Truppen einlassen, die erst 1651 die Stadt wieder verließen.
Die anschließende Friedenszeit war nur von kurzer Dauer. Das Jahrhundert blieb unruhig. Neue kriegerische Verwicklungen und ein Bündnis des Kölner Kurfürsten Max Heinrich mit Ludwig IX führten 1672/73 und 1678 Franzosen in die Stadt. Der Krieg zwischen Frankreich und Österreich um die spanische Erbfolge, der 1701 ausbrach, ließ die Neusser abermals Bekanntschaft mit französischem Militär machen. Erst mit dem Ende des Erbfolgekrieges 1714 begann sich das Leben zu normalisieren, regte sich neuer Baueifer. Einige noch erhaltene barocke Giebel an der Oberstraße und die historischen Häuser am Auslauf der Michaelstraße wurden damals errichtet. Auch die Sebastianuskirche stammt aus dieser Zeit.

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