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Rundgang durch 2000 Jahre Neuss

 

Abermals kam mit 1933 eine Zäsur, in deren Folge der zweite Weltkrieg das Neusser Stadtbild entscheidend veränderte. 1939, bei Ausbruch des Krieges, zählte Neuss 17 296 Wohnungen, bei Kriegsende 1945 waren nur noch 453 unbeschädigt. Wiederaufbau und Stadtplanung galten von den historischen Gebäuden abgesehen ?zunächst mehr den Außenbezirken. Die in zwei Jahrzehnten von 60 000 auf fast 120 000 Einwohner gewachsene Stadt, bedingt durch den Zustrom der Ostvertriebenen direkt nach dem Kriege, später der Flüchtlinge aus der DDR und der Gastarbeiter, musste dringend mit Wohnraum auf neuen Siedlungsflächen versorgt werden. Eine Entspannung des Siedlungsdruckes brachte die kommunale Neugliederung 1975 mit einer flächenmäßigen Verdoppelung des Stadtgebietes durch die Eingemeindung einiger Gemeinden mit insgesamt etwa 30 000 zusätzlichen Einwohnern.

 

Durch die Ausweisung entsprechender Gewerbegebiete und den Ausbau des Hafens konnte auch die Wirtschaftskraft der Stadt mit dieser Entwicklung Schritt halten. Sie bildete die finanzielle Basis für den Bau entsprechender Bildungs und Sozialeinrichtungen, Freizeit und Verkehrsanlagen. Zusammenhängende Grünflächen gliedern das Stadtgebiet in überschaubare Stadtteile mit eigenständigen Bürgerinitiativen. So feiert in den Sommermonaten an fast jedem Wochenende ein anderer Stadtteil "sein" Schützenfest. Das viertägige Schützenfest der Innenstadt Ende August mit über 5 000 Musikern, Marschierern und Reitern ist der Höhepunkt des Neusser Jahres mit einer Zeitrechnung vor die Tage und nach die Tage.

 

Mit der Stagnation der Einwohnerzahl zu Beginn der siebziger Jahre konzentrierte sich die Planung und der Einsatz der Finanzmittel auf den Stadtkern, der mehr und mehr attraktiver wurde. Durch die Erhaltung des mittelalterlichen Straßengefüges in der Altstadt und die Unterschutzstellung erhalten gebliebener Wohnviertel des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts wurden Maßstäbe für die Wohnungsneubauten gesetzt, die nach Verlagerung störender Gewerbebetriebe aus der Kernstadt auch innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern entstanden. Diese für das Bild der Innenstadt wesentliche Maßstäblichkeit konnte mit wenigen Ausnahmen eingehalten werden. Pulsierendes Leben erfüllt die Fußgängerzonen, deren Achse der Hauptstraßenzug bildet. Er erschloss schon zur Römerzeit und im Mittelalter den Stadtkern.

Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dr. Max Tauch für die Veröffentlichung im Neusser Marktplatz.

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